Letzte Woche bei Railware

14.11.2004

Schon wieder fehlt ein Wochenbericht. Aber keine Sorge, er wird nachgeliefert und folgt in wenigen Tagen. Einige wenige Leser dieser Seiten vermuteten, das unser Büro verwaist war. Genau! Diesmal stand ein Besuch in Berlin bei den Loxx Miniatur Welten auf dem Programm. Auf einen Bericht von dort warten schon viele Leser, das weiss ich aus zahlreichen Zuschriften. Darum wird es heute und in einigen weiteren Berichten Informationen aus der Eisenbahnerstadt Berlin geben. Eines muss aber noch vorweg gesagt werden: wir werden uns hier nicht an "Meinungen"* beteiligen oder eine eigene haben. Hier wird es auch keinen Vergleich zu anderen Schauanlagen** geben und schon gar nichts über Schönheit und Größe***, denn über Geschmack kann man eben nicht streiten. Drum gilt: wer ein "Miniatur Wunderland" sehen möchte, sollte nach Hamburg fahren. Wer aber die Loxx Miniatur Welten erleben möchte, dem sei eine Reise in die Hauptstadt empfohlen.

Die meisten Modellbahner denken bei einer Großanlage daran, das die Konfiguration der Steuerungssoftware die meiste Zeit in Anspruch nimmt. Das mag bei herkömmlicher Software auch so sein, gilt aber nicht für Railware. Es ist eine Selbstverständlichkeit, das eine fast beliebige Anzahl von Zügen gleichzeitig gesteuert werden kann, sie sanft und vorbildgerecht beschleunigen und an den gewünschten Stellen zum Halten kommen. Es müssen auch keine Fahrstraßen definiert werden, denn Railware kümmert sich selbst um die Reservierung von Fahrwegen. So liegt die Hauptarbeit innerhalb der Software in der Definition von Streckenlinien, die mit der Zuglenkung umgesetzt werden. Schließlich soll ja ein regelmäßiger Zugbetrieb gezeigt werden. Dazu sind viel mehr Züge erforderlich, als in der Realität. Und damit das auch reibungslos klappt, müssen Verkehrsströme erfasst und koordiniert werden - der einzelne Zug spielt da nur noch eine untergeordnete Rolle. Würde man das alles einzeln in Ablauffolgen programmieren, dann wären viele Menschen sehr viele Monate damit beschäftigt.

Man muss auch bedenken, das es sich um ein technisches Spielzeug handelt, das nicht für den Dauerbetrieb konstruiert wurde. Bei Loxx hat man auf zuverlässiges Material und sauberen Gleisbau wert gelegt. Darum hielten sich Ausfälle von Anfang an in Grenzen.


So soll es sein: sauber verkabelte Gleisbesetztmeldebausteine von Uwe Blücher

Nein, das Hauptaugenmerk liegt bei der Elektronik und der Verkabelung. So ist es als ganz normal zu betrachten, das Fehler erst im Betrieb (bei bestimmten Betriebssituationen) auftreten, das Störungen an der Verkabelung auftreten und elektronische Komponenten ausfallen (vorzugsweise in den ersten Betriebswochen). Eigentlich müsste man dafür professionelle Bausteine aus der Automatisierungstechnik einsetzen. Aber dann würde allein die Elektronik etwa 8 Millionen Euro kosten, womit ein solches Projekt dann unrealisierbar wäre. Darum greift man heute auch hier zu den in der Modellbahnwelt gebräuchlichen Digitalkomponenten. Allerdings wohl wissend, das wegen der Anlagendimensionen Baugruppen modifiziert werden müssen und besonders auf sorgfältige Verkabelung geachtet werden muss.

Und wie bei einer privaten Modellbahn auch, lauern die größten Gefahren im Bereich der Gleisbesetztmeldung. Da es sich um eine Zweileiteranlage handelt, wurden Gleisbesetztbausteine verwendet und Trennstellen nach den üblichen Kriterien***** gesetzt. Sie können sich sicherlich vorstellen, welches unglaubliche Chaos ausbrechen kann, wenn auch nur ein einziger Baustein (verbaut wurden einige hundert) falsche Informationen an einen PC sendet. Hier ist gelegentlich das geballte Know How aller Beteiligten gefordert - und viele Hilfsmittel. Angefangen vom Speicheroszilloskop bis hin zu Protokollanalysatoren für das DCC Gleisprotokoll, serielle Leitungen und den Netzwerken. Nein, das alles hat nun wirklich nichts mehr mit der Steuerungssoftware zu tun und ich bin froh, das zumindest dieser Teil der Arbeit für mich abgeschlossen ist.

Außergewöhnliche Modellbahnen erfordern auch außergewöhnliche Arbeitszeiten: von 15 Uhr bis 3 Uhr morgens. Insgesamt wurden gemeinsam in einer Woche 90 Arbeitspunkte erledigt. Daraus ergab sich eine Arbeitsliste mit 14 Punkten für das Loxx Team und für Railware 3 Bugs sowie 11 Verbesserungsvorschläge. Eine Bilanz die sich sehen lassen kann, auch wenn noch weitere unerledigte Arbeiten auf alle Beteiligten warten.

Übrigens Chaos: legendär ist die unkontrollierte Fahrt eines ICE mit 350km/h über die für 80km/h vorgesehene Stadtbahn. Leider ließ sich die wahre Ursache wegen der hektischen Betriebsamkeit im zentralen Stellwerk nicht mehr finden. Es könnte also sein, das Ihnen bei einem Besuch spektakuläres geboten wird ...


Braucht man sooo viele Steckdosen? Unbedingt!

Nur ein Beispiel für die zahlreichen besonderen Softwarefunktionen sind die auf unsere Empfehlung beschafften Video Switches. Mit ihrer Hilfe kann man sich eine beliebige Überwachungskamera (derzeit sind bei Loxx etwa 50 Kameras angeschlossen, Tendenz stark steigend) auf einen Kontrollmonitor schalten. Trifft im zentralen Logbuch ein besonderes Ereignis ein (z.B. "Zug ABC ist stehengeblieben"****), dann wird wird diese Stelle im Railware Gleisbild selbsttätig markiert und gleichzeitig die optimale Kamera zugeschaltet. So kann man schnell und effektiv die Situation erkennen und ist nicht auf weitere Kollegen mit Funkgeräten angewiesen. Eine weitere Option ist die selbsttätige Verfolgung eines beliebigen Zuges mit den Kameras. Durch einen Mausklick aktiviert, schaltet sich selbsttätig die jeweils passende Kamera zu und "verfolgt" so den Zug auf seinem gesamten Laufweg - "Train Watch" vom feinsten. Das dies nicht nur ein Spielzeug ist, sondern die Arbeit in erheblichem Maße erleichtert, zeigt ein Beispiel aus der nächtlichen Arbeit, bei der Züge zur Fehlersuche gefahren wurden. Wegen der planmäßigen Wartung eines Zentralrechners (PHS) stand das Videosystem nicht zur Verfügung. Darum musste ein zusätzlicher Mitarbeiter mit einem Funkgerät um die Anlage geschickt werden, der uns per verbaler Kommunikation zu "sehenden" machen sollte.

Weiterhin viel Spaß mit Railware wünscht Ihnen
das Railware Team

* Meinungen sind reine Show und nichts sagend. Aus tausenden von Meinungen wird nie die Wahrheit entstehen können ...
** Es gibt allein in Deutschland mehr als 50 Schauanlagen.
*** Wer den längsten hat, haben wir während der Pubertät geklärt und Frauen hat diese Frage noch nie interessiert.
**** Railware erkennt dies an regelmäßigen Zeit- und Wegmessungen während der Zugfahrten (Sooo muss intelligente Software heute arbeiten).
***** Mehr darüber in kommenden Berichten.

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